Ein israelischer »Friedensaktivist« und die Realität
Von Karl Pfeifer, 31. Mai 2004
Uri Avnery und die Gewalt
Ist eine israelische Meinung zum palästinensisch-israelischen Konflikt gefragt, dann ist sehr oft Uri Avnery am Wort. Das dürfte mehrere Ursachen haben. Er ist in Deutschland geboren spricht gut deutsch und war einer der führenden Journalisten Israels sowie einige Jahre Knessethabgeordneter und Avnery bestätigt das, was viele in Europa glauben wollen, an allem Unglück im Nahen Osten sei allein Israel schuld. Avnery, der in der Tel Aviver Tageszeitung »Maariv« wöchentlich eine Kolumne veröffentlicht und auch in den staatlichen elektronischen Medien Israels häufig zu hören ist, meint die Situation der Medien in seiner Heimat so beschreiben zu müssen: »Alle israelischen Medien stehen einstimmig hinter dieser rechtsradikalen Regierung und plappern nach, was die Regierungs- und Armeesprecher ihnen vorplappern. Es gibt überhaupt keine Opposition in den Medien.«
Falter, 15/2002
Dabei zeigt gerade sein Beispiel den in Israel existierenden Meinungspluralismus, der auch einen Uri Avnery zu Wort kommen lässt, wiewohl seine Meinung vom main stream abweicht. In deutschsprachigen Ländern gelten Uri Avnery und die von ihm geführte Gruppe Gush Shalom als die »Friedensaktivisten« obwohl es sich dabei um eine kleine Minderheit in der Friedensbewegung handelt, so hat sie doch für viele den großen Vorteil, dass sich hier eine kleine Gruppe Israelis radikal zur palästinensischen Narrative bekennt. Avnery kann man eine gewisse Konsequenz nicht absprechen. Seit seiner Jugend ist er ein Befürworter der Gewalt, damals als Mitglied des Irgun Zwai Leumi (Ezel). Seither ist viel Wasser den Jordan heruntergeflossen, doch Avnery's Bewunderung der Gewalt hat sich nicht geändert. Was im Fall Uri Avnery auch in deutschsprachigen Ländern beeindruckt, ist seine angebliche Wandlung von Saulus zu Paulus, vom Mitglied einer terroristischen Gruppe, zum Apostel des Friedens. Und tatsächlich predigt er Gewaltlosigkeit, allerdings ausschließlich den Israelis. Wenn irgendein Israeli den Dienst mit Waffen verweigert, dann kann er mit der Zustimmung Avnery's rechnen. 2001 gab er ein Interview, das mit der Schlagzeile »Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery fordert Zugeständnisse an die Palästinenser«
Berliner Zeitung, 28.11.2001
angekündigt wurde. Hier ein Auszug:
»Nach der Wahl Scharons waren es die Terrorakte radikaler Palästinenser, die Gespräche verhinderten.
U.A.:Ich nenne das nicht Terrorismus, sondern einen Volksaufstand gegen eine 20-jährige Besatzung. Dabei werden Mittel benutzt wie in jedem anderen Volksaufstand im letzten Jahrhundert - ob in Algerien, Südafrika, Nordirland oder im Kampf der Juden um einen eigenen Staat. Kann man das denn gleichsetzen? In Israel wird immer wieder betont, dass sich der Terror der Palästinenser vor allem gegen Zivilisten richte.
U.A.: Ein Palästinenser hat darauf einmal entgegnet: Gebt mir Flugzeuge und Panzer, dann führe ich meinen Kampf mit diesen Mitteln und höre mit dem Terrorismus auf. Aber kein Volksaufstand hat sich allein gegen militärische Ziele gerichtet. Als die Algerier gegen die französische Kolonialmacht kämpften, schickten sie Frauen mit Bomben in Cafés. Als junger Mann war ich selbst Terrorist. Ich war Mitglied der Untergrundgruppe »Irgun Zwai Leumi«, die gegen die britische Mandatsmacht und die Araber kämpfte: Auch wir haben Bomben auf arabischen Märkten gezündet, wobei Frauen und Kinder umkamen. Kann man Freiheitskämpfer von Terrorristen unterscheiden?
U.A.: Die Antwort darauf ist: Freiheitskämpfer stehen auf meiner Seite, Terroristen auf der anderen. Terror ist meiner Ansicht nach berechtigt, wenn politische Ziele nicht mit politischen Mitteln erreicht werden können. So war zum Beispiel der französische Terror gegen das Nazi-Regime berechtigt, und ich möchte den sehen, der da widerspricht. Die Palästinenser konnten ihre Ziele nach Oslo politisch durchsetzen.
U.A.: Nach der Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Verträge 1993 gab es keine Terrorakte. Erst nachdem die israelischen Regierungen Vereinbarungen nicht einhielten und die Palästinenser jede Hoffnung aufgegeben hatten, begannen die Terrorakte wieder.«
Uri Avnery behauptet, »im Kampf der Juden um einen eigenen Staat« hätten diese die gleichen Mittel angewendet, wie die radikalen Palästinenser. Davon kann keine Rede sein. Sogar die rechte Terrorgruppe Ezel, der er angehörte, hatte ihren Terror hauptsächlich nicht gegen Zivilisten gerichtet. Nach 1945 hat die Hagana einschließlich Palmach mit der illegalen Einwanderung der Überlebenden und mit Sabotageaktionen gegen britische Objekte (nicht gegen Menschen) dem Ansehen Großbritanniens Schaden zugefügt. Aber was Avnery vergessen machen will, ist die Tatsache, dass die Hagana, die Selbstverteidigungsorganisation der Juden Maßnahmen gegen den Ezel ergriff, oft genug wurden ihre Mitglieder an die Briten ausgeliefert bzw. festgenommen, das geschah unter dem Decknamen »Saison«. Der viel geschmähte David Ben Gurion hat sofort nach der Staatsgründung 1948 die terroristischen Organisationen aufgelöst und dabei sogar mit Kanonen auf das Ezel-Schiff »Altalena« schießen lassen. Hingegen geht die palästinensische Autonomiebehörde (PA) nicht nur nicht gegen die radikalen Terroristen vor, sondern verfügt auch mit den Al Aksa-Brigaden über eine eigene Terrorgruppe. Sie arbeitet oft genug eng mit der Hamas zusammen, in deren Satzung es ganz schonungslos heißt: »Israel wird so lange existieren, wie der Islam es nicht vernichtet hat, so wie er zuvor andere Feinde vernichtet hat.«
Bruce Hoffmann: »Terrorismus/Der unerklärte Krieg« Fischer, 3. Aufl., Feb. 2002, S. 128
Im Gegensatz dazu haben Juden niemals gegen Araber einen totalen Krieg geführt. Nie postulierten sie, es könne keine Nachsicht gegeben werden, solange der Feind nicht total und vollständig ausgerottet ist. Hier handelt es sich im Gegensatz zu dem, was Avnery suggeriert, nicht um einen spontanen Volksaufstand, sondern um einen von Schreibtischtätern angeführten Terror, dessen wichtigstes Ziel es ist die Israelis zu einer Überreaktion zu provozieren, um so noch mehr Unterstützung für den Terror zu finden. Das war auch der genau kalkulierte Grund für eine bis dahin beispiellose Terrorwelle gegen israelische Zivilisten nach dem Arafat die Angebote in Camp David und Taba 2000-2001 abgelehnt hatte. Und diese Taktik ging voll auf. War noch die Weltöffentlichkeit zuvor empört über Arafats Ablehnung dieses bis dahin großzügigsten Angebots eines israelischen Politikers, wandte sie sich sehr schnell gegen Israel, weil der jüdische Staat den Selbstmordterror beantwortete. Sicher sollte Israel bei der Beantwortung des Terrors gemäßigt und verhältnismäßig bleiben. Doch zu glauben, dass eine israelische Mäßigung den Terrorismus wesentlich reduzieren würde, wäre eine Selbsttäuschung, denn dieser ist Teil einer Strategie und kommt nicht zufällig. Ein anderes Ziel - insbesondere der Hamas - ist es die israelischen Wähler zu beeinflussen, damit sie die Rechten wählen und so die Aussichten für einen Frieden durch Verhandlung vermindern, denn ein solches Abkommen würde ja den jüdischen Staat bestehen lassen. Auch das war ein wichtiges Ergebnis der zweiten »Intifada«, die von Avnery als »Volksaufstand« gesehen wird. Die palästinensischen Terroristen haben auch die Absicht so viel israelische Zivilisten als möglich zu töten und so Israel zum Aufgeben zu zwingen. Wichtiger vielleicht als all diese Ziele ist es die arabische Straße zu befriedigen, die zu oft in ihren Schulen, in den Moscheen und Medien gesagt bekommen, dass das Vergießen jüdischen Blutes eine Pflicht sei.
Uri Avnery vergleicht den französischen Widerstand gegen die Nazi mit dem palästinensischen Selbstmordterror. Niemals hat sich der französische Widerstand gegen deutsche Zivilisten gerichtet, er richtete sich nur gegen die Besatzung. Der palästinensische Terror richtet sich aber hauptsächlich gegen Zivilisten und ein großer Teil strebt auch die Vernichtung dieses Staates an. Diesen Terroristen geht es nicht um seit 1967 besetzte Gebiete, auch Tel Aviv und Haifa sind für sie besetzte Gebiete. Avnery behauptet »Nach der Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Verträge 1993 gab es keine Terrorakte.« Diese Verträge wurden am 13. September 1993 in Washington DC vereinbart. In der Zeit zwischen dem 24. Oktober und dem 25. Dezember 1993 wurden 12 Israeli Opfer des palästinensischen Terrors.
Benny Morris »Vittime, Storia del conflitto arabo-sionista 1881-2001«, 2003, Seite 772, die englische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel »Righteous Victims«
Bereits am 11. Mai 1994 propagierte Yasser Arafat in einer Moschee in Johannesburg, den Jihad für die Wiedereroberung Jerusalems und verglich das von ihm unterzeichnete Abkommen mit dem von Mohammed 628 unterzeichneten Friedensvertrag mit dem jüdischen Stamm Khaybar - ein taktischer Schachzug, der von den Moslems zehn Jahr später einseitig annulliert wurde
Benny Morris »Vittime, Storia del conflitto arabo-sionista 1881-2001«, 2003, Seite 774, die englische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel »Righteous Victims«
Avnery bringt nicht nur volles Verständnis für den Selbstmordterror auf, sondern rechtfertigt auch die Lynchmorde der Palästinensern an wirklichen oder vorgeblichen Kollaborateuren. Gerade hier zeigt es sich, dass Uri Avnery voll und ganz den Standpunkt der palästinensischen Terroristen zu seinem eigenen gemacht hat. So in einem Gespräch mit der Wiener Zeitschrift Context XXI.
Die Friendensbewegung auf der palästinensischen Seite ist geführt von Yassir Arafat« - Uri Avnery im Gespräch mit Thomas Schmidinger
»Aber diese palästinensische Gesellschaft hat sich doch in diesem Konflikt auch geändert. Hier sind nicht nur die Selbstmordattentate als neue Kampfform die beinahe ausschließlich Zivilistinnen und Zivilisten trifft dazugekommen, sondern auch innerhalb der palästinensischen Gesellschaft die Lynchmorde an sogenannten Kollaborateuren. Das muß ja Auswirkungen auf die palästinensische Gesellschaft haben.
Uri Avnery: Natürlich gab es Morde an Kollaborateuren. Kollaborateure sind Verräter! Die sind in ganz Europa umgebracht worden, vor nicht allzu langer Zeit. Wer seine Kameraden an eine feindliche Besatzung ausliefert ist ein Verräter und wird umgebracht.
Verstehe ich das nun richtig, daß sie das für legitim halten?
Uri Avnery: Ich habe es selbst getan. Ich war ein Terrorist wie ich ein junger Mann war. Ich habe das selber mitgemacht. Wir haben unsere Kollaborateure umgebracht. Die Kollaborateure die unsere Kameraden an die englische Kolonialregierung ausgeliefert haben und die dort von der englischen Polizei gefoltert worden sind; diese Kollaborateure haben wir umgebracht.«
Wahrlich ein Friedensaktivist.
Uri Avnery und der Antisemitismus
Am 13. Mai strahlte das staatliche Wiener Radio Ö1 ein von Michael Kerbler geführtes einstündiges Interview mit Uri Avnery aus. Das ganze Interview würde eine kritische Analyse verdienen, das würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Deshalb kommentiere ich hier nur Avnerys Meinung zum Thema Antisemitismus.
Michael Kerbler erinnert an die Antisemitismus Konferenz Ende April/Anfang Mai in Berlin und konstatiert, dass »der Antisemitismus in Europa wächst. Antisemitische Vorfälle nehmen zu, das ist dokumentiert. Europa wird handeln müssen.«
Uri Avnery: »Was man heute Antisemitismus nennt sind - meiner Ansicht nach - drei vollkommen verschiedene Geschehnisse. Es gibt eine berechtigte Kritik an Israel. Leute in Europa, die das selbe sagen wie wir in Israel sagen, werden automatisch als Antisemiten bezeichnet. Das ist einfach eine Verleumdung. Dann haben wir die echten Antisemiten, die immer da sind und die den Mantel der Kritik anziehen aber in Wirklichkeit überhaupt kein Interesse an Israel haben. Es sind die alten antisemitischen Aussprüche, manche sind verdeckt, manche offen und das hat mit Israel überhaupt nichts zu tun. Es ist nur paradox, weil eben Theodor Herzl, der ein Wiener Journalist und Gründer des modernen Zionismus war, den Zionismus erfunden hat als Antwort auf Antisemitismus. Und seine Idee war alle Juden, die wollen, gehen in den Judenstaat, die anderen werden bleiben wo sie sind und werden sich assimilieren und als Juden verschwinden und damit wird der Judenstaat das Problem des Antisemitismus lösen. Was wir jetzt haben ist, dass gerade Israel zu einer Neubelebung des Antisemitismus in Europa und auch anderswo führt. Ein Paradox.«
Einiges von Uri Avnery's »Kritik« ist - wie oben gezeigt - ausgesprochen wahrheitswidrig, und manche, die solche »Kritik« in Europa wiederholen, sind von antisemitischen Ressentiments geladen. Wie so oft verwechselt Avnery auch diesmal Ursache und Wirkung. Nicht Israel führt »zu einer Neubelebung des Antisemitismus in Europa und auch anderswo«. Da sei beispielsweise nur an Mikis Theodorakis und Jose Saramago erinnert. Theodorakis stellte den jüdischen Urvätern Perikles gegenüber und erst als er kritisiert wurde, versuchte er dies als Kritik am Staat Israel zu verkaufen. Saramago verglich die Kämpfe in Jenin und Ramallah mit Auschwitz. Das ist von links kommender Antisemitismus.
Doch das allerverblüffendste ist, was Avnery über den spezifischen Antisemitismus junger Moslems in Frankreich sagte:
»Und dann haben wir eine dritte Erscheinung, die mit Antisemitismus überhaupt nicht zu tun hat, da alles zusammengeworfen wird. Die jungen Moslems aus Nordafrika in Frankreich und anderswo, die sich emotionell am israelisch-palästinensischen Konflikt beteiligen, greifen die Juden an, die sich total mit Israel identifizieren und sie haben so einen Kleinkrieg zwischen Juden und Arabern, der nichts ist als eine Projektion des israelisch-palästinensischen Konflikts. Das hat mit Antisemitismus überhaupt nichts zu tun aber wenn man diesen dazuzählt, dann haben sie plötzlich eine neue riesige Erscheinung von antisemitischen Ereignissen, das ist aber ein optisches Irrtum. Es hat nichts damit zu tun. Wenn junge Juden und Moslems in Pariser Vororten sich bekämpfen, was hat das mit Antisemitismus zu tun? Überhaupt nichts. Im Gegenteil, die Antisemiten die Hakenkreuze in jüdischen Friedhöfen auf Grabsteine malen, malen auch die Hakenkreuze in islamischen Friedhöfen.«
Soweit die Lesart Uri Avnerys, die sich von der grässlichen Wirklichkeit radikal unterscheidet: Für das erste Trimester 2004 registrierte das französische Innenministerium 67 Gewalttaten gegen Juden oder jüdische Einrichtungen und 160 antijüdische Drohungen. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2003, da wurden für das GESAMTE Jahr »nur« 125 Taten und 463 Drohungen registriert. Jüdische Organisationen, die Hilferufe und nicht bloß Meldungen bei Behörden berücksichtigen, haben noch mehr Fälle gezählt. Darauf basierend kann von über 700 anti-jüdischen Zwischenfällen seit Ende 2001 (während der zweiten »Intifada«) gesprochen werden. Es handelt sich durchwegs um Übergriffe junger Franko-Araber gegen Juden (das Gegenteil kam schon deswegen nicht vor, weil die Mehrheitsverhältnisse in den betroffenen Vororten das gar nicht zuließen), darunter Angriffe auf Rabbiner und Gläubige vor Synagogen und auf Kinder vor jüdischen Schulen sowie Brandanschläge gegen jüdische Einrichtungen, Geschäfte, Restaurants etc.. Man kann das also keinesfalls auf eine Art Bandenkrieg zwischen jungen Juden und Arabern reduzieren. In der ARTE-Sendung am 14.10. 2003 »Frankreichs Juden im Zwiespalt« wurde der Französische Menschenrechtsbericht für 2002, vom 27.3.2003 zitiert. U.a. waren 62% aller rassistischen Gewalttaten und 74% aller rassistischen Drohungen gegen Juden bzw. jüdische Einrichtungen gerichtet. 1994 waren 68% der rassistischen Übergriffe gegen Juden rechtsextremistisch motiviert. 2002 waren es lediglich 9 %. Am 22. März 2003, während der Pariser Demonstrationen gegen den Krieg im Irak, wurden zwei Juden, Mitglieder des Haschomer Hazair von Teilnehmern einer linken Demonstration krankenhausreif geprügelt, das wurde von der unabhängigen Presseagentur Digipress gefilmt. Die Grüne Politikerin Aurélie Filipetti, erklärte in einem Interview, das in L'Arche Nr. 9/2003 veröffentlicht wurde: »Einige (unter ihnen auch ich) fragten, wie konnte man in einem Demonstrationszug mit Leuten mitgehen, die Poster hochhielten »Davidstern = SS«. Dazu hat man uns das Kommuniqué der trotzkistisch orientierten Gruppe CAPJPO zugesandt, das besagte: »Wir verurteilen die antisemitische Aggression, aber es gab eine Provokation der Betar (rechtszionistische Jugendbewegung)«. Das hat eine Anzahl Grüne aufgebracht: »Erstens gab es keine Provokation der Betar. Und zweitens, warum schämt ihr euch zu sagen: Achtung, bei diesen Demonstrationen gibt es ein Problem, es kommen da Leute, die weder Pazifisten, noch Progressisten sind, aber irgendwelche islamistische Extremisten, Antisemiten - die für mich Faschos sind.« Auf einmal wurden die Augenbrauen gehoben: Das kann man nicht sagen.«
Gerade am 21. Mai veröffentlichte die »Süddeutsche Zeitung« Danny Leders Artikel, »Der wachsende Antisemitismus in Frankreich« der auch den Widerspruch zwischen Avnerys Behauptungen und der Realität deutlich macht.
Uri Avnery sprach von einem »Kleinkrieg zwischen Juden und Arabern« in Frankreich und leugnete damit die Ausschreitungen junger Moslems. Diese in Verbindung mit dem palästinensischen Terror und die israelische Antwort darauf zu bringen, wie das Avnery macht, bedeutet die Aggressionen der jungen Moslems in Frankreich geradezu als eine Reaktion auf die Verfolgung durch Juden, »die sich total mit Israel identifizieren« zu verharmlosen. Uri Avnery akzeptiert die Prämisse der jungen Moslems - alle Juden, ob Zionisten oder nicht, ob religiös oder nicht, ob links oder rechts - sind für die Politik des Staates Israels haftbar zu machen. Diese Prämisse ist aber zweifelsohne antisemitisch. Man fragt sich, wieso man diese akzeptiert und verniedlicht bei jungen Menschen, die in einem demokratischen Staat aufgewachsen sind, nur aufgrund der Tatsache, weil diese Moslems sind. Uri Avnery bedient damit den im Moment herrschenden Zeitgeist voll, was ihn natürlich geradezu prädestiniert, in Europa und anderswo als »Friedensaktivist« zu gelten.